Hebdrehwähler


Hebdrehwähler nach Strowger Leitungswähler
Geschiche:
Ursprünglich war Strowger kein
Fachmann auf dem Gebiet der Fernmeldetechnik. Er war Bestattungsunternehmer in
Kansas und ärgerte sich über die Bestechlichkeit der Angestellten in den damals
üblichen Handvermittlungsstellen. Seine Vermutung war, dass das Personal
vorwiegend an seine Konkurrenz anstatt zu ihm übermittelte. Deshalb begann er
1888 mit der Entwicklung eines automatischen Telefonvermittlungssystems. Durch
die Mithilfe seines Neffen Williams und einigen Fachkundigen aus dem Bereich
Elektrizität, sowie einigen Geldgebern konnte er seine Ideen 1889 auch
verwirklichen.
1889: - Amerikaner Almon Strowger erfindet den
Hebdrehwähler
1891: - Am 10. März erhält er das US Patent Nr.
447,918 für ein Automatisches
Telefonvermittlungssystem
1892:
- Stowger Automatic Telephone Exchange Co. in La Porte (Indiana) nimmt das
erste Versuchsamt in Betrieb
- Amt
der Reichspost hat bereits 400 Anschlüsse für den Bereich Berlin
1896:
- Der Nummernschalter, auch Wählscheibe genannt, wird von Ericsson entwickelt
- Strowger verkauft seine
Patente für $ 1.800
1898: - Strowger verkauft seinen Anteil an der 'Automatic Electric
Company' für $ 10.000
(wurde schon 20 Jahre später auf
2,5 Millionen gehandelt)
- Strowger-Geschäftsleute nehmen
Kontakt zu "Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken" in Karlsruhe auf
1900: Neues Reichsgesetz senkt die Telefongebühren
1901:
- Reichspost erwirbt Rechte an den
Patenten Strowgers
1907:
-
Siemens und Halske übernehmen das Geschäft
Technische Daten:
Wählsystem S 22:
Erstes in Deutschland serienmäßig betriebenes
Selbstwählsystem.
Wichtige Bauteile:
- Hebdrehwähler (HDW) Bauart 1910
(Weiterentwicklung des Strowgerwählers, Ersteinsatz 1892 in La Porte,
Indiana
USA)
- Rundrelais 22 A und 22 S
Wählsystem S 27:
Weiterentwicklung des Systems 22, in den Gruppen- und
Leitungswählerstufen HDW 27.
Wichtige Bauteile:
-
Drehwähler 27 (DW wurden 1901 erstmalig eingesetzt)
-
Flachrelais 27, später 28
-
Rollenzähler (Gesprächszähler)
Weitere Entwicklung Hebdrehwählersysteme:
System 29, System 40, System 50
Funktionsweise
Hebdrehwähler (elektromechanisches Kopplungselement):
Beim Wähler wird ein Eingang
mit einem von mehreren möglichen Ausgängen verbunden. Die Verbindung erfolgt
durch elektrische Kontaktierung.
Die Steuerung wird durch
elektrische Impulsfolgen ausgeführt, die das Anheben eines Schaltarmsatzes
bewirken und einen von 10 Höhenschritten einstellen. Die einzelnen Höhenschritte
sind mit Kontaktreihen von 10 oder 11 Kontakten verbunden. Ist der gewünschte
Höhenschritt erreicht, wird durch eine neue Impulsfolge ein bestimmter
Drehschritt ausgelöst. Bei diesem Schritt schleifen die Schaltarme über die
Lamellen des Kontaktblocks.
Werden nun also die Impulse 2
und 6 gewählt, so ist der Eingang mit dem Ausgang 26 (von 100) elektrisch
verbunden. Um nach einem Gespräch wieder auf die Ausgangsreihe zurück zu kehren,
müssen die einzelnen Schaltarme zunächst über die restlichen Kontakte drehen,
bis sie wieder in der Ausgangsposition sind. Die Steuerung der Abläufe erfolgt
durch Relais, die jedem einzelnen Hebdrehwähler zugeordnet sind.
1926 wird der Hebdrehwähler
durch Siemens entscheidend verbessert, indem man den Bewegungsablauf bzw. den
Arbeitsablauf auf dem Kontaktblock („heben“, „drehen“, „durchdrehen“, „fallen“,
„zurückdrehen“) genau in einem Viereck verlaufen lässt, weshalb dieser Wähler
auch als Viereckwähler bezeichnet wird.
Je nach Stellung des Hebdrehwählers im System einer Vermittlungsstelle,
unterscheidet man zwischen Gruppenwähler (nur eine Ziffer) und Leitungswähler
(zwei Ziffern der Zielrufnummer). Beim Gruppenwähler kommt der Höhenschritt
einer Rufnummernziffer und der Drehschritt einem freien Eingang der nächsten
Stufe im Kopplungssystem gleich.
Da bei der Drehbewegung die Kontakte schleifen, werden diese stark beansprucht.
Wegen der guten Eigenschaften von Bronze (Leitfähigkeit, Abnutzungsgrad,
Oxidationsfreudigkeit) wird nur dieses für die Kontaktflächen verwendet. Zudem
müssen die Kontaktflächen regelmäßig gereinigt werden, damit eine korrekte
Impulsweiterleitung gewährleistet bleibt und die Geräte nicht durch
Verunreinigungen beschädigt werden.
