Lehrlingstagebuch
eines Fernmeldehandwerkers
Die Normschrift
Die Normschrift ist eine Schriftart, die früher zur
Vereinheitlichung von Texten und technischen Zeichnungen genutzt wurde. Sie ist
eine nach DIN 6776 genormte Schriftart und
dient heutzutage fast ausschließlich zur Beschriftung von
Skizzen und Veränderung alter Zeichnungen und Dokumente.

Ohne Normschrift
An diesen Beispielen erkennt man, weshalb die Normschrift
in den 60er Jahren eingeführt wurde. Diese beiden Beispiele sind alte
Aufzeichnungen der Deutschen Bundespost aus den 50er Jahren. Durch die
Verwendung der eigenen Handschrift (altdeutsche Schreibweise) sind die
Korrekturen heutzutage schwer lesbar.
Auszüge aus einem
Lehrlingstagebuch:
Normschrift
In der Probezeit wurde die Normschrift erlernt. Der
Ausbilder legte noch sehr viel Wert auf die genaue Einhaltung, wie man auf dem
folgenden Bild erkennen kann.

Normschrift

Normschrift
Zum Erlernen der Normschrift wurden zunächst Hilfslinien
gezogen und mit Bleistift gearbeitet. Erst nach drei Monaten war die Schrift so
weit erlernt, dass auf Skripthohl umgestiegen werden konnte. Allerdings bedarf
er zuvor strenger Kontrollen der Ausbilder…
So konnte es auch passieren, dass ein Auszubildender einen
Wochenbericht mehrmals anfertigen musste, da seine Normschrift nicht exakt dem
Musterblatt entsprach.

Normschrift

Normschrift
Der Wochenbericht
Zum Wochenbericht gehören drei Teile. Das ist zum einen der
tabellarische Bericht. Dieser wurde in Normschrift angefertigt und beinhaltet in
Kurzfassung jede ausbildungsrelevante Tätigkeit, sowie den Ausbildungsort.
Außerdem wurde die Arbeitshaltung - in der Probezeit in Kopfnoten und später in
Schulnoten – bewertet. Der Bericht musste grammatikalisch korrekt und in einer
tadellosen Form angefertigt werden. Der Wochenbericht musste von den Eltern
unterschrieben dem Ausbilder vorgelegt werden.

Tabellarischer Bericht
Zum tabellarischen Bericht mussten auch Erläuterungen zu
den Tätigkeiten und der erlernten Theorie geschrieben werden. Die schriftlichen
Wochenberichte umfassten zum Teil nur eine Seite, konnten allerdings auch
mehrere Seiten einschließen. Abhängig war dies jeweils von der Fülle an
Informationen, die in der Woche vermittelt wurden.
Im Beispiel wurden Relais und Starkstromanschaltrelais
besprochen:

Wenn handwerkliche Arbeiten ausgeübt wurden, mussten diese
zum schriftlichen Bericht als Zeichnung angefertigt werden. Die Zeichnungen
mussten mit Feder und Skripthohl gezeichnet werden. Diese Prozedur dauerte je
nach Ausführlichkeit und Schwierigkeitsgrad der Aufgabe zum Teil mehrere
Stunden. Besonders ärgerlich war es, wenn die Feder nach Beendigung der
Zeichnung noch einmal einen Tropfen aufs Blatt verlor. Dann hatte man die
Möglichkeit, die Farbe vom Blatt zu kratzen oder alles neu zu zeichnen.
Entschied man sich für die Kratzmethode, musste man darauf achten, dies
gründlich und vorsichtig zu machen, da das Papier schnell aufraute und die
Spuren der Verbesserungen somit sichtbar wurden. War dies der Fall, konnte man
davon ausgehen, dass der Ausbilder dies bemängeln würde und man die Zeichnung
neu anfertigen „durfte“.


